Seminararbeit Verkaufspsychologie

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Seminararbeit: Verkaufspsychologie - Einwandstechniken im Verkauf
Grundlagen, Wirkungen und Beispiele

Verkaufspsychologie - Einwandstechniken im Verkauf - Grundlagen, Wirkungen und Beispiele

Diese Seminararbeit wurde von mir am Institut für Organisations- und Witschaftspsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München im Wintersemester 1996/97 abgegeben.


Abkürzungsverzeichnis

BMW

Bayerische Motoren Werke


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Klassifikation des Nutzens eines Angebotes für einen Konsumenten

Abbildung 2

Entstehung von Reaktanz

Abbildung 3

Unterscheidung von Einwandarten

Abbildung 4

Vorgehen bei der Einwandbehandlung

Abbildung 5

Beispiel für Reaktanz in einer Zeitschriftenwerbung


1. Einführung in die Problematik des Verkaufsgesprächs

Ein Verkaufsgespräch zwischen einem Kunden und einem Verkäufer durchläuft verschiedene Phasen und kann entweder zum Abschluß oder Nichtabschluß führen. Die Hauptphasen eines Verkaufs sind dabei die Geschäftsanbahnung, die Geschäftsverhandlungen und der Geschäftsabschluß, wobei sich der Hauptteil, die Geschäftsverhandlung, wiederum grob in die Demonstration und Preisargumentation unterteilen läßt.1

Aber ein Verkaufsgespräch führt nicht immer direkt von der Kontaktaufnahme mit dem Kunden bis zum Verkaufsabschluß, sondern ist durch eine Vielzahl von Hindernissen gekennzeichnet, so auch in der Phase der Produktdemonstration. Der Kunde kann eventuell durch zu viele Informationen in zu kurzer Zeit, an die Grenzen seiner Informationsverarbeitungsfähigkeiten gelangen2, d.h. die ständige Informationsflut während des Verkaufsgesprächs führt zum geistigen Abschalten des Kunden und damit zu einer Miß-Effektivität des Gesprächs.3 Ein mögliches anderes Hindernis im Verkaufsprozess sind Einwände des Kunden, beispielsweise gegen die Argumentation des Verkäufers oder gegen Eigenschaften und Merkmale des Produktes selbst. Auf diese Einwände sollte nun der Verkäufer reagieren, und gerade die Problematik der Reaktion auf Kundeneinwände durch den Verkäufer stellt die vorliegende Arbeit dar. Es werden mögliche Reaktionsvorschläge für den Verkäufer aufgezeigt.

Und in der Praxis zeigt sich immer wieder, daß es gerade die Einwände des Kunden sind, “… die das Verkaufsgespräch zur Herausforderung machen, zum Wettkampf mit dem Risiko der Niederlage und der Chance zum Sieg.“4

Aber die Reaktion auf Kundeneinwände hat nicht nur einen Einfluß auf den Abschluß des vorliegenden Verkaufsgesprächs, sondern auch auf die Anbahnung weiterer Geschäfte, also auf eine längerfristige Geschäftsbeziehung. Der Käufer soll nach dem Kauf nicht das Gefühl haben, ihm sei etwas verkauft worden, sondern er habe selbst etwas gekauft.5 Denn “Nur wer glaubt und fühlt, gut gekauft zu haben, weil er eine individuelle Problemlösung erfuhr, wird wiederkommen.“6

2. Psychologische Grundlagen zum besseren Verständnis von Einwänden

2.1. Dissonanzreduktion

Unter kognitiver Dissonanz versteht Festinger die Inkonsistenz zwischen zwei Kognitionen. Dies mag tautologisch erscheinen, die Tautologie ist aber notwendig, um klar zu machen, daß unter Dissonanz keine rein logische, sondern eine psychologische Inkonsistenz zu verstehen ist.7

Kernpunkt der Dissonanztheorie von Festinger ist die Aussage: “Der Mensch empfindet zueinander dissonante Informationen als psychisch unangenehm.“8 Somit versucht der Mensch Dissonanzen erst gar nicht entstehen zu lassen, oder bereits bestehende Dissonanzen zu reduzieren.9 Die Antriebskraft zur Reduktion der Dissonanz hängt von der Stärke des Spannungsfeldes der dissonanten Informationen ab.10 Dabei sind die kognitiven Dissonanzen um so größer, je

  • “größer die Anzahl der Kaufalternativen ist …,
  • höher die Attraktivität zurückgewiesener Alternativen ist …,
  • länger/höher die Mittelbindung nach Dauer und Wert ist,
  • geringer die Abweichungen zwischen den Alternativen sind …,
  • höher die soziale Bedeutung des Kaufs ist.“11

Festinger ging bei der Entwicklung der Theorie noch davon aus, daß kognitive Dissonanzen nur nach Entscheidungen auftreten.12 Es wurde aber mittlerweile schon gezeigt, daß kognitive Dissonanzen auch während des Entscheidungsprozesses auftreten können.13 Und eben bei der Thematik von Kundeneinwänden spielen kognitive Dissonanzen vor der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle. Da in dieser Arbeit der Entscheidungsprozess vor der tatsächlichen Entscheidung betrachtet wird, kann auf die explizite Darstellung der Nach-Kauf-Dissonanzen verzichtet werden.

Um bereits enstandene kognitive Dissonanzen zu reduzieren, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man reduziert Dissonanzen durch Änderung des Inhalts der Kognitionen oder durch Änderung der Kognitionen in ihrem Umfang.14

Um den Umfang der Kognitionen zu ändern gibt es zwei Alternativen. Entweder durch Hinzufügung kognitiver Elemente, um die Anzahl der konsonanten Elemente zu erhöhen bzw. die Zahl der dissonanten Elemente in ihrer Gewichtung zu vermindern. Die zweite Möglichkeit ist die Ausschaltung der konsonanzstörenden Kognitionen.

Der Inhalt der Kognitionen kann ebenfalls auf zwei Arten geändert werden. Einerseits durch Umdeutung der Wichtigkeit bestimmter kognitiver Elemente. Andererseits durch Verhaltensänderung des Individuums oder durch Änderung der Umwelt. An diesem Punkt kann nun der Verkäufer ansetzen, um kognitive Dissonanzen beim Kunden vor dem Kauf zu reduzieren. Für ihn ergeben sich die folgenden drei Ansätze:

  • Wechsel auf ein anderes Angebot, das für den Kunden mit geringeren Inkonsistenzen verbunden ist. Dabei ist zu beachten, daß der Wechsel auf ein anderes Angebot nicht aufgrund eines Vorwands geschieht, denn der Käufer wird sehr wahrscheinlich diesen Vorwand beim neu angebotenen Produkt wieder äußern.
  • Ausschalten der Einwände des Kunden.
  • Verminderung der Bedeutung der Einwände, beispielsweise durch Nennen von Vorteilen, die das Gewicht der Nachteile verringern.15

Die Techniken der Einwandsbehandlung aus Kapitel 5 sind vor allem für die Punkte zwei und drei geeignet. Äußert der Kunde beispielsweise einen Einwand, aufgrund dissonanter Informationen zu seinen Kognitionen, muß der Verkäufer versuchen diese Dissonanzen noch während des Gesprächs mit den Einwandbehandlungsmethoden abzubauen. Diese Methoden sind also Techniken zur Reduktion von kognitiven Dissonanzen.

Trotz der Möglichkeit der Dissonanzreduktion sollte der Verkäufer vermeiden, kognitive Dissonanzen überhaupt erst entstehen zu lassen.16 Aus diesem Grund sollte der Verkäufer versuchen, die Motive des Kunden zu ergründen, denn gerade bei Motivkonflikten zwischen den Gesprächspartnern ist die Gefahr der Entstehung von Dissonanz beim Kunden besonders groß. Diese Thematik wird im nächsten Abschnitt behandelt.

2.2. Motiv, Motivation und Motivkonflikte

Zunächst ist zwischen den Begriffen Motiv und Motivation zu unterscheiden. Motive haben keine bestimmte Richtung, sie sind nur eine allgemeine Aktivierung. Motivation dagegen ist eine spezifische Aktivierung, die sich auf ein bestimmtes Ziel bezieht. Man kann Motivation auch als “… aktivierte Beweggründe des Verhaltens …“17 bezeichnen.

Abb. 1 Klassifikation des Nutzens eines Angebots für einen Konsumenten18

Bei einem Verkaufsgespräch, das vom Kunden ausgeht, hat dieser schon eine Motivation, d.h. er will ein Produkt kaufen, von dem er für sich einen bestimmten Nutzen erwartet. Dabei ist in den meisten Fällen nicht nur der stofflich-technische Grundnutzen von Bedeutung, sondern auch der seelisch-geistige Zusatznutzen, der in viele Einzelnutzen unterteilt werden kann (Vgl. Abb. 1). Der Kunde besitzt somit eine Vielzahl verschiedenster Motive (Gewinn-, Zeitersparnis-, Sicherheits-, Bequemlichkeits-, Geltungs-, Ökologiemotiv, Nachahmungstrieb …), die er mit dem Kauf des Produkts befriedigen will.19

Am Gesprächsbeginn muß deshalb das Hauptziel des Verkäufer die Ermittlung der Motivkombination des Kunden sein, denn diese muß nicht mit der des Verkäufers übereinstimmen, da beide Personen unterschiedliche Erfahrungen haben. Der Verkäufer kennt das Produkt schon seit langer Zeit, und weiß genau, zu welchen Zwecken man es einsetzen kann. Dies muß für den Käufer nicht auf Anhieb ersichtlich sein. Auch kann beispielsweise der ästhetische Nutzen für den Verkäufer erheblich wichtiger sein, als für den Käufer, der das Produkt als reines Gebrauchsgut verwenden will. Erkennt der Verkäufer nicht die Motive des Kunden, wird er die falschen Argumente liefern, die falschen Voteile des Produkts ansprechen, die eventuell für den Kunden von keinem Interesse sind. Der Kunde glaubt, das Produkt sei für seine Bedürfnisbefriedigung nicht geeignet. Es besteht ebenfalls die Gefahr, daß der Verkäufer dissonante Informationen für den Kunden äußert, so daß der Kunde versucht, eventuell durch Abwertung des Verkäufers, seine ursprüngliche Konsonanz seiner Kognitionen wiederherzustellen. Es liegt somit ein Motivkonflikt zwischen den Gesprächspartnern vor, der von Seiten des Verkäufers gelöst werden muß, um einen Gesprächserfolg erzielen zu können.

2.3. Reaktanz

Reaktanz ist ein “… Phänomen des Widerstands gegen wahrgenommenen Beeinflussungsdruck.“20 Reaktanz kann somit in Entscheidungssituationen auftreten, in denen dem Entscheidungsträger mehrere Handlungsalternativen bewußt sind und ihm zugleich bestimmte Alternativen blockiert erscheinen, die ihm wichtig sind.21 Der auftretende Widerstand kann zwei Formen annehmen, den latenten, also verdeckten und den offenen Widerstand (Vgl. Abb. 2).

Dabei steigt das Reaktanzmotiv

Das Ausmaß des Reaktanzmotivs hat demnach Einfluß auf die bedingten Verhaltenweisen (latenter Widerstand, offener Widerstand). Durch diese Verhaltensweisen sollen weitere Freiheitsverluste vermieden werden, bzw. die bedrohten Freiheiten wiederhergestellt werden. Dabei ist wichtig zu erwähnen, daß Reaktanz nur im Zusammenhang mit anderen Motiven und Kräften der Situation zu untersuchen ist.23 Reaktanz kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder bei verschiedenen Personen unterschiedlich auftreten.

Abb. 2 Entstehung von Reaktanz24

Die Theorie der Reaktanz soll anhand eines Beispiels der Zeitschriftenwerbung von BMW verdeutlicht werden (Vgl. Abb. 5 im Anhang). Die Anzeige befand sich im Gebrauchtwagenteil der Süddeutschen Zeitung vom 30. November 1996. Demzufolge werden vor allem Interessenten von Kraftfahrzeugen, die sich in einer Kaufentscheidungssituation befinden, die Anzeige sehen. Für diese Leser hat damit die Anzeige eine Bedeutung. Zugleich werden dem Leser Entscheidungsalternativen bewußt, da sich im Gebrauchtwagenteil weitere Kraftfahrzeug-Anzeigen befinden. Damit muß überprüft werden, ob dem Leser durch Betrachten der BMW-Anzeige bestimmte Alternativen als blockiert erscheinen. Durch die Aussagen “Kein Entkommen!“, “Eine Auswahl, die Sie nicht mehr losläßt“ und “Bei uns erwartet Sie ein fesselndes Angebot“ in Verbindung mit dem Bild der Handschellen werden vielen Lesern bestimmte Entscheidungsalternativen als blockiert erscheinen. Es kann der Eindruck entstehen, als ob man im BMW-Gebrauchtwagenzentrum gefesselt wird sobald man es betritt. Daß eigentlich der Käufer vom Produkt gefesselt werden sollte, wurde in der Anzeige nicht klar genug herausgestellt. Deshalb werden viele Leser versuchen, dem wahrgenommenen Beeinflussungsdruck Widerstand entgegenzusetzen, z.B. indem das Gebrauchtwagenzentrum erst gar nicht von ihnen besucht wird, sondern einem anderen Autohändler der Vorzug gegeben wird.

3. Grundlagen von Kundeneinwänden

Viele Verkäufer sehen Kundeneinwände als lästige Begleiterscheinungen eines Verkaufsgesprächs, die den Kaufabschluß nur unnötig verschieben. Aber gerade Einwände zeigen, daß der Kunde sich mit dem angebotenen Gut oder der Dienstleistung beschäftigt und damit Interesse besteht. Insbesondere zeigen Einwände, daß

  • sich der Kunde mit Argumenten des Verkäufers beschäftigt,
  • Fragen für den Kunden noch ungeklärt sind,
  • der Kunde Probleme bei Eigenschaften des Produktes sieht,
  • Kaufwiderstände bestehen,
  • bestimmte Motive und Vorstellungen beim Gesprächspartner eine Rolle spielen.25

Es müssen bei einem Einspruch nicht alle aufgezählten Eigenschaften vorliegen, aber eine Kombination der einzelnen Punkte wird in den meisten Fällen vorhanden sein.

Das geschickte Eingehen auf die Einwände sollte im Idealfall zu einem Dialog zwischen Verkäufer und potentiellem Käufer führen. Ein Monolog des Verkäufers sollte vermieden werden, da dieser beim Kunden Reaktanz und Dissonanz hervorrufen kann. Reaktanz, weil der Kunde den Anschein haben kann, daß nicht er das Produkt kauft, sondern der Verkäufer ihm das bestimmte Produkt der Firma verkauft und dem Kunden damit bestimmte Alternativen versperrt vorkommen (Vgl. Abb. 2 auf Seite *). Dissonanz deshalb, weil der Verkäufer durch einen Monolog weniger über die Erwartungen und Erfahrungen des Kunden erfährt, also über dessen Informationsstand. Dies erhöht die Gefahr, daß der Verkäufer dissonante Informationen für den Kunden äußert. Wird ein Grundbedürfnis nach kognitiver Konsistenz angenommen, so wird der Kunde motiviert sein, die kognitiven Dissonanzen zu reduzieren. Demnach präferiert der Kunde Produkte und Anbieter, die bei ihm keine oder kaum kognitive Dissonanzen verursacht haben.26 Im Gegensatz dazu kann der Verkäufer bei einem Dialog frühzeitig die Erwartungen und Erfahrungen des Kunden erkennen und gezielt darauf eingehen. Dissonante Informationen können damit vermieden oder zumindest verringert werden.27

Als nächstes ist zu klären, welche Äußerungen, Fragen, Ablehnungen usw. des Kunden unter den Begriff Kundeneinwand subsumiert werden können. Eine Vielzahl von “Einwänden“ hat keinen eigentlichen echten Grund, sondern nur einen Schein-Grund.28 Sei es, daß der Kunde das Gespräch beenden will um sich endlich wieder den wichtigen Angelegenheiten des Tagesgeschäfts widmen zu können. Abb. 3 zeigt die Unterscheidung von Einwänden nach echten und unechten Einwänden auf. Unter einem unechten Einwand kann man einen Vorwand verstehen, der unter Umständen taktischer Natur sein kann. Beispielsweise könnte der Kunde versuchen, sein Interesse an einem bestimmten Produkt zu verdecken oder sich durch einen Einwand nicht zu sehr von der Begeisterung des Verkäufers anstecken zu lassen, indem er z.B. die Unbekanntheit des Produzenten anführt, um später beim Preisgespräch härter verhandeln zu können.29

Der Verkäufer hat nun aber nur wenige Möglichkeiten um zu erkennen, ob der Einwand einen echten Grund oder nur einen Schein-Grund hat.30 Es ist auf jeden Fall wichtig dem Kunden genau zuzuhören und zuzusehen. Die Mimik, Gestik und Körpersprache sagt sehr viel über die Art des Einwands aus.31 Eine weitere Möglichkeit besteht für den Verkäufer darin, immer darauf zu achten, ob der Kunde die Einwände im Zusammenhang mit der sonstigen Argumentation äußert.32 Ist dies nicht der Fall, wird der Einwand also ohne Zusammenhang geäußert, kann man vermuten, daß es ein Scheineinwand ist.

Dieses Erkennen der verschiedenen Einwandtypen ist für den Verkäufer außerordentlich wichtig, denn es ist ein großer Fehler gegen einen Vorwand zu argumentieren.33 Würde der Verkäufer dem Kunden durch Argumentation beweisen, daß der Vorwand auf keinem stichhaltigen Grund basiert, hätte er dem Kunden aus psychologischer Sicht eine Niederlage beigebracht. Damit kann unter normalen Umständen keine Vertrauensbasis zwischen den Gesprächspartnern mehr hergestellt werden und das Verkaufsgepräch wäre gescheitert.34 Dies bedeutet also, daß man auf Vorwände des Kunden nicht sofort mit Argumenten reagieren darf, sondern man versuchen sollte den wahren Grund hinter dem Vorwand zu ermitteln, um auf diesen wahren Grund eingehen zu können.35

Abb. 3 Unterscheidung von Einwandarten36

Des weiteren ist bei den echten Einwänden zwischen ganz, teilweise und nicht begründeten Einwänden zu unterscheiden (Vgl. Abb. 3). Hier ist es nun wichtig, alle dieser drei Einwandarten ernst zu nehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Diese “… Einwände hat der Verkäufer auszuräumen, ohne dabei den Kunden durch Belehrungen zu belasten oder durch Rechthaberei zu verprellen.37 Hierbei ist zu betonen, daß selbst unbegründete Einwände des Kunden ernst zu nehmen sind und man versuchen sollte, sie durch geeignete Techniken zu entkräften, da der Einwand für den Kunden gerade eben nicht unbegründet erscheint. Der Einwand kann beispielsweise aufgrund des Geltungsbedürfnisses des Kunden geäußert werden. Durch die eben erwähnten geeigneten Methoden der Einwandentkräftung (siehe Kapitel 5: Verschiedene Methoden der Einwandbehandlung) muß auf jeden Fall eine offene Meinungsverschiedenheit oder ein Streit zwischen den Gesprächspartnern vermieden werden.38

Abb. 4 zeigt die grundsätzliche Vorgehensweise bei der Einwandbehandlung. Zuerst versucht man zu ermitteln, ob ein Einwand oder Vorwand vorliegt. Nimmt man an, daß ein Einwand geäußert wurde, kann man direkt eine Methode der Einwandbehandlung wählen und den Einwand durch geeignete Argumentation39 ausräumen. Liegt dagegen ein Vorwand vor, muß zuerst der hinter dem Vorwand liegende Einwand und der Grund für das Verhalten des Käufers ermittelt werden. Erst dann kann der Verkäufer auf den tatsächlichen Einwand eingehen. In Kapitel 5 werden verschiedene Techniken der Einwandbehandlung vorgestellt.

Abb. 4 Vorgehen bei der Einwandbehandlung40

4. Zeitpunkt der Behandlung von Einwänden

Die Methoden der Vorwegnahmetechnik oder der Einwandzurückstellung sind keine Einwandbehandlungsmethoden im eigentlichen Sinne, obwohl sie in einigen Literaturquellen zu diesen Methoden gezählt werden.41 Sie geben keine Anweisung wie ein Einwand entkräftet werden kann, sondern wann ein Einwand vom Verkäufer aufgegriffen werden soll. Diese Technik kann also mit einer Methode der Einwandbehandlung verbunden werden.

Dem Verkäufer stehen vier zeitliche Möglichkeiten zur Verfügung, auf einen Einwand zu reagieren. Er kann,

  • den Einwand vorwegnehmen oder versuchen dem Kunden Einwände zu entlocken,
  • den Einwand sofort behandeln,
  • den Einwand zurückstellen,
  • oder nie auf den Einwand eingehen.42

Geht er sofort auf den Einwand ein, dann kommen für ihn Methoden der Einwandbehandlung aus Kapitel 5 in Frage. Ist der Einwand beispielsweise aber ein Vorurteil oder eine vorgefaßte Meinung des Kunden, kann es sinnvoll sein, den Einwand zu überhören.43 Auch bei Vorwänden kann es sinnvoll sein, nie auf den Einwand einzugehen. Aber die wichtigen Fälle der zeitlichen Behandlung von Einwänden sind das Vorwegnehmen und das Zurückstellen von Einwänden.

4.1. Vorwegnahmetechnik und Korkenziehertechnik

Bei Anwendung der Vorwegnahmetechnik soll der Verkäufer Einwände schon erwähnen, bevor der Kunde diese äußert. Man versucht die Nachteile zu nennen, so daß der Kunde nicht erst nach dem Kauf oder von Dritten die Nachteile erfährt. Dies würde Dissonanz hervorrufen, die in den meisten Fällen der Verkäufer zu verhindern suchen sollte. Nachteile kann der Verkäufer beispielsweise mit folgenden einleitenden Worten nennen:

  • “Nun werden Sie vielleicht sagen …“
  • “Nun werden Sie vermutlich gleich fragen, ob …“
  • “Eine Frage, die mir von meinen Kunden schon oft gestellt wurde, ist …“
  • “Nun wird sich jeder Fragen, kann ich mir diese Maschine leisten …“44

Diese Technik ist aber nicht ohne Gefahren. Durch das Nennen des Einwands, kann dieser dem Kunden erst bewußt werden.45 Um die Glaubwürdigkeit eines Gesprächs zu erhöhen, kann man erwägen, innerhalb einer Aufzählung von Vorteilen einen Nachteil zu verpacken. Der Kunde darf aber nicht den Nachteil als bedeutender im Vergleich zu den genannten Vorteilen empfinden, die zur Kompensation des Nachteils geäußert werden. Die positiven Aspekte einer derartigen zweiseitigen Argumentation, wie z.B. die Steigerung der Glaubwürdigkeit des Verkäufers, hängen aber meistens von der Person des Kunden ab. Hat dieser ein höheres Intelligenz- und Bildungsniveau, als auch eine eher negative Einstellung zum Produkt, wird die zweiseitige Argumentation eher zum Erfolg führen.46 Personen mit höherem Bildungsniveau empfinden bei einseitiger Argumentation eher das Gefühl der Beeinflussung durch den Gesprächspartner (Vgl. Reaktanztheorie).

Wie kann der Verkäufer aber trotzdem versuchen, nicht genannte Einwände in das Gespräch zu bringen, um Nachkauf-Dissonanzen zu vermeiden? Um dies zu erreichen, erscheint die Korkenziehertechnik als wesentlich besser geeignet, als die Vorwegnahmetechnik.

Bei der Korkenziehertechnik sollen bisher nicht genannte Einwände durch Fragen ermittelt werden.47 Dabei ist es wichtig offene Fragen zu stellen, auf die der Kunde unter keinen Umständen nur mit Ja oder Nein antworten kann. Der Kunde soll selbst reden, dadurch erfährt der Verkäufer auch die Motive des Kunden und kann gezielt die Motive des Kunden ansprechen. Wichtig ist aber, daß der Verkäufer dem Kunden tatsächlich zuhört und diesem das auch zeigt. Dies kann beispielswiese durch direktes Eingehen auf Argumente oder Zweifel des Kunden geschehen. Daran zeigt sich, wie wichtig der Dialog der Gesprächspartner ist.

4.2. Zurückstelltechnik

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein einen Einwand zurückzustellen, um ihn an einer geeigneteren Stelle des Verkaufsgesprächs wieder aufzunehmen und zu entkräften. Dies kann beispielsweise notwendig sein, wenn der Einwand des Kunden sich nicht in die momentane Argumentation des Verkäufers einfügen läßt und den Gedankengang nur unterbrechen würde. Zurückstellen von Einwänden hilft in diesem Fall somit auch dem Kunden, der Argumentation des Verkäufers besser folgen zu können.

Es könnte aber auch sein, daß der Verkäufer momentan keine Antwort auf die Frage weiß, und sich nicht vor dem Kunden blamieren will.48 Ein Aufschub gibt ihm dann Zeit sich eine Antwort zu überlegen.

Der Verkäufer kann noch aus einem weiteren Grund den Einwand des Kunden zurückstellen, wenn er dem Kunden nämlich nicht als Widerlegungsautomat der Einwände erscheinen will. Damit gibt er auch einmal eine Blöße zu erkennen und wirkt so menschlicher auf den Kunden.49

Der Verkäufer sollte sich aber eines bewußt machen, vertröstet er den Kunden nur auf später, z.B. mit dem Satz “Ich komme gleich auf Ihren Einwand zurück, lassen Sie mich bitte nur kurz den Gedankengang zu Ende führen!“, dann kann es geschehen, daß der Kunde die folgende Argumentation des Verkäufers nicht mehr bewußt aufnimmt, sondern nur noch auf die Beantwortung seines Einwands wartet. Der Verkäufer sollte also bewußt eine kurze Notiz machen, so daß der Kunde erkennt, daß sein Einwand nicht vergessen wird.50 Dadurch erkennt der Kunde auch das Interesse des Verkäufers an seinem Gegenüber. Das bewußte Zurückstellen durch den Verkäufer könnte sich folgendermaßen abspielen:

Verkäufer: “Kunststoffenster? “Sie stellen da eine durchaus berechtigte Frage, Herr von Kleist! Gestatten Sie, daß ich sie in einem Stichwort notiere, so daß wir später gemeinsam die Antwort suchen können …?!?“51

5. Verschiedene Methoden der Einwandbehandlung

5.1. Methode der bedingten Zustimmung

In vielen Quellen wird diese Technik angeführt. Sie ist auch unter den Namen ‘Ja-aber -Technik’ bekannt.52

Der Kunde soll durch die anfängliche Zustimmung zunächst besänftigt werden. Scheint dies dem Verkäufer gelungen zu sein, kann er versuchen durch Gegenargumente den Einwand des Kunden zu entkräften.53 Durch diese Methode kann vermieden werden, dem Kunden direkt seinen Irrtum zu zeigen. Anhand des folgenden Gesprächsausschnitts soll die Methode veranschaulicht werden.

Kunde: “Kunststoffenster? Die verziehen sich doch schon nach ein paar Jahren unter den Wettereinflüssen. Nein, mein lieber Herr, ich baue bei mir ins Haus keine Kunststoffenster ein“

Verkäufer: “Da haben Sie vollkommen recht, Herr Häuslebauer! Als die Kunststoffenster eingeführt wurden, war es so. Der ständige Wechsel zwischen Sonnenbestrahlung, Regen und Kälte hat den Fensterrahmen arg zugesetzt. Genau dies hat Fensterbauer durch neue Rahmenprofile mit neuartigen Kunststoffmischungen und zusätzlichen Beschichtungen gelöst. Im Gegensatz zu Holzfenstern halten Kunststoffrahmen jetzt erheblich länger, da das Holz der Holzfenster durch die unzureichende Lagerung nicht besonders ist …“

Anhand dieses Ausschnitts ist auch zu erkennen, daß nicht der übliche Wortlaut Ja-aber verwendet wurde, sondern ‘Da haben Sie vollkommen recht’. Damit wird das Wort ‘aber’ vermieden, das beim Kunden Warnsignale auslösen kann. Wenn man die Methode rhetorisch geschickter anwendet, erkennt der Kunde nicht sofort worauf man hinaus will. Zuerst wird dem Gesprächspartner Verständnis entgegengebracht, was diesen offener gegenüber Argumenten des Verkäufers macht.54 Danach kann dann der Verkäufer durch eine logische Argumentationskette versuchen, den Kunden vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Diese Methode sollte trotzdem nicht allzu oft angewandt werden, da viele Kunden auch bei rhetorisch geschickter Verpackung, den Zweck schnell erkennen und sich dann weniger auf die Argumentation des Verkäufers konzentrieren sondern stolz darauf sind den Verkäufer durchschaut zu haben. Dies kann möglicherweise bei einigen Kunden Reaktanz erzeugen.55

Nachfolgend sind ein paar Möglichkeiten aufgelistet, um die ‘Ja-Aber-Technik’ geschickt zu verpacken:56

  • Sie haben recht! Früher war es so! Es dürfte Ihnen indessen nicht entgangen sein, …
  • Ich gebe zu, daß diese Meinung noch vorherrschend ist, Herr Kunde! Allerdings …
  • Da kann ich ihnen recht geben! Im allgemeinen ist es so. Allerdings …

5.2. Bumerang-Methode

Die Bumerang-Methode hat starke Ähnlichkeit mit der Methode der bedingten Zustimmung. Auch hier wird dem Kunden anfänglich zugestimmt. Jedoch wird im Anschluß an diese Zustimmung, der Einwand in ein positives Argument für das Produkt verwandelt. Den Einwand des Kunden fassen viele Verkäufer fälschlicherweise als Angriff auf sich oder das Produkt auf. Die Bumerangtechnik soll nun den ‘Angriff’ abwehren und die Angriffswaffe (Einwand) auf den Käufer zurücklenken. Nun aber nicht mehr als Angriffsinstrument sondern als schön klingendes Proargument für das Produkt.57

Diese Methode ist geeignet, wenn der Einwand des Kunden als Einstieg für eine Proargumentation dienen kann, d.h. wenn er als direktes oder indirektes Argument für das Produkt spricht.58 Dazu muß der Einwand aber meist vom Verkäufer umformuliert werden, um nicht die negativen Worte des Kunden zu gebrauchen. Die Negationen des Kunden sollten vermieden werden.

Kunde: Mit Ihrer veralteten Technik können wir nicht in´s Geschäft kommen!

Verkäufer: Gerade weil Sie das sagen, wird es Sie interessieren, daß diese Technik bewußt beibehalten wurde, denn Sie wissen: Was längere Zeit sich auf dem Markt bewährt hat, sollte man nicht so schnell über Bord werfen! Bewährte, erprobte Technik ohne Neuheitenrisiko können Sie im Rahmen Ihrer Frühjahrsaktion …59

Aber die Bumerangtechnik birgt große Gefahren in sich, wie sich auch in der Literatur zeigt. Häufig wird das folgende oder ein ähnliches Beispiel in der Literatur angeführt, um die Bumerangtechnik zu veranschaulichen. Dabei wird aber nur die Bumerangtechnik isoliert betrachtet, ohne auf andere Auswirkungen des Gesprächs Rücksicht zu nehmen. Andere psychologische Grundregeln eines Verkäufergesprächs werden grob vernachlässigt.

Kunde: Nein, diese Folgeschäden-Versicherung, die Sie jetzt vorschlagen, kommt mir zu teuer vor. Ich kann solche Beiträge nicht aufbringen!

Verkäufer: Dann ist es gut, daß ich heute hierher gekommen bin, Herr Klinsmann! Wenn Sie sich diese Beiträge nicht leisten können … dann können Sie sich sicher nicht die Konsequenzen eines Schadensfalles leisten …!60

An diesem Beispiel wird deutlich, daß der Kunde herabgesetzt wird, ihm wird vom Verkäufer vor Augen gehalten, wie wenig er verdient. Der “Schein-Einwand” des Kunden (“Ich habe kein Geld”) wird vom Verkäufer wörtlich genommen und er geht auf den Scheineinwand ein, was eigentlich nicht getan werden sollte, wie in Kapitel 3 beschrieben. Den Sachverhalt des geringen Verdienstes wird der Kunde sich nur ungern eingestehen. Durch die Äußerung des Verkäufers wird dem Kunden dieser Sachverhalt deutlich bewußt und es kann zu Dissonanz führen, da der Kunde sich ansonsten mit diesem Thema sehr ungern und selten beschäftigt. Deshalb wird er versuchen die Dissonanz zu reduzieren, und dies wird ihm am ehesten durch Abwertung des Verkäufers gelingen. Der Versicherungsvertrag wird wahrscheinlich mit einem anderen Versicherungsvertreter zustandekommen, der diesen Fehler nicht begangen hat.

5.3. Transformationsmethode

Man reagiert mit einer Frage61 auf den Einwand des Kunden, um

  • dem Kunden die Möglichkeit zu geben, seinen Einwand selbst zu beantworten,
  • mehr über die Hintergründe des Einwands zu erfahren, d.h. den Einwand zu konkretisieren,
  • Zeit zu gewinnen für die Entwicklung einer Argumentationsstrategie, wenn man nicht sofort stichhaltig auf den Einwand reagieren kann.62

Durch die Frage werden meist alle drei Ziele verfolgt, die jedoch situationsabhängig in unterschiedlicher Weise erreicht werden können. Ein Vorteil dieser Methode ist auf jedenfall, daß es zu keinem Monolog kommt, sondern daß auch der Kunde aktiv am Gespräch teilnimmt. Außerdem ist zu erwähnen, daß eine geschickte Umformulierung des Einwands in eine Frage, direkt auf die eigene Argumentation umleiten kann.63 Besonders zu beachten bei dieser Methode ist die geschickte Formulierung der Frage, so daß der Kunde sich nicht belastet fühlt. Anhand des folgenden Dialogs erkennt man, daß der Kunde weitere Informationen nennt und seine Aussage nicht alleine im Raum stehen läßt.

Kunde: Ich habe jetzt schon 15 Jahre lang gute Geschäftsbeziehungen zur Firma XYZ und bin immer zufrieden gewesen!

Verkäufer: Zufrieden im Verhältnis wozu, Herr Maurer?

Kunde: Im Verhältnis wozu …? Sie meinen wohl … Naja! Ich hatte eigentlich nie Reklamationen.64

Nun weiß der Verkäufer auf welchen Punkt der Kunde anspielt und kann auf diesen eingehen, nämlich hier die geringen Reklamationen. Dieser Punkt ist viel aussagekräftiger, als »gute Geschäftsbeziehungen«.

5.4. Referenzmethode oder Einsatz von Meinungsführern

Grundsätzlich bezieht sich hier der Verkäufer bei seiner Argumentation auf andere Personen oder Organisationen, z.B. Konkurrenten, andere Branchen, Länder usw.65 Er versucht dadurch dem Kunden den Nutzen des Produktes, anhand vorteilhafter Erfahrungen der Referenzgruppe deutlich erkenntlich zu machen. Es sollte versucht werden eine Referenzgruppe zu erwähnen, mit der sich der Kunde identifizieren kann.66 Dazu muß man allerdings den Kunden und seine Einstellungen kennen, damit man nicht auf eine falsche Referenzgruppe verweist. Die Antwort des Verkäufers könnte bei der Referenzmethode folgendermaßen aussehen:

Verkäufer: Ihr Kollege Meier im Nachbarort war zunächst genau der gleichen Meinung wie Sie, inzwischen hat er mir aber versichert, daß der Artikel sehr gut eingeschlagen ist.67

Das geschickte bei dieser Reaktion ist die Möglichkeit des Kunden, die Aussage des Verkäufers zu überprüfen, da die Referenzperson persönlich bekannt ist. Ist die Referenzgruppe dem Verkäufer nicht persönlich bekannt, muß ihm die Möglichkeit gegeben werden, die Angaben des Verkäufers zu überprüfen. Die Referenzmethode ist eine der wirkungsvollsten Methoden, den Kunden vom eigenen Produkt zu überzeugen, da sie eine “überzeugende, neutrale Beweisführung »Dritter« für die Leistungsfähigkeit und Produktgüte eines Produkts“ darstellt.68 Wichtig bei dieser Methode erscheint, daß die bisherigen Käufer sich freiwillig in die Referenzgruppe haben aufnehmen lassen, z.B. durch begeisterte Zuschriften, über ihre Freude am Produkt.

Wenn man sich auf Meinungsführer bezieht, muß man eine Unterscheidung nach der Art des Meinungsführers treffen. Zum einen ist der Autoritätsdruck durch eine allseits bekannte Persönlichkeit oder Organisation möglich, oder der Majoritätsdruck durch eine hohe Zahl an Käufern des Produktes.69 Im Zusammenhang eines Verkaufsgesprächs ist aber nur das Werben mit Meinungsführeren möglich und nicht über Meinungsführer.

5.5. Entlastungsmethode

Man kann die Entlastungsmethode bei offensichtlich unsinnigen oder falschen Einwänden des Kunden anwenden, wobei der Kunde durch diese Technik von seiner Aussage entlastet wird.70 Dabei gibt es zumindest drei Möglichkeiten, den Kunden von seiner Aussage zu entlasten.

  • Man wiederholt die Aussage des Kunden in einfacher, primitiver Formulierung und zeigt ihm auf, daß diese Aussage auf keinen Fall von ihm stammen kann. Dabei ist aber mit Vorsicht zu agieren, denn durch das Wiederholen der Aussage in primitiver Form, kann der Kunde zu der Auffassung gelangen, daß seine Aussage vom Verkäufer als lächerlich und dumm abgewertet wird. Diese Abwertung wird er in vielen Fällen auf sich beziehen, was durch diese Technik unbedingt vermieden werden sollte.

  • Die falsche Aussage des Kunden wird in eine Hypothese umgewandelt, und erklärt was diese Scheinannahme für Konsequenzen hätte. Durch Verwenden der Hypothese wird der Kunde in den meisten Fällen nicht zum Widerspruch angeregt, da er die Hypothese nicht direkt mit sich in Verbindung setzt. So kann der Kunde auf einfache Weise von seiner unsinnigen Aussage entlastet werden, ohne daß er durch die Argumentationsweise belastet wird.

  • Der Kunde wird von seiner unsinnigen Aussage durch Verweis auf einen Dritten entlastet, von dem der Kunde, nach Ansicht des Verkäufers, die Informationen erhalten hat. Es ist aber nicht auszuschließen, daß der Kunde dies als eine Kritik an sich empfindet, weil er sich nicht ausreichend informiert hat. Um die Möglichkeit einer negativen Empfindung beim Kunden zu minimieren, könnte der Verkäufer sich als Beispiel für einen ebenfalls früher falsch Informierten nehmen, wobei er den Kunden gleichzeitig aufwertet. Die Reaktion könnte folgendermaßen aussehen: “Genau diese Fehlinformation habe ich auch zunächst bekommen!“71 Die Fehlinformation liegt somit nicht beim Kunden, sondern ist auf einen Dritten verschoben, eventuell ein Konkurrent. Der Kunde ist entlastet.

5.6. Kompensationsmethode

Berechtigte Einwände können nicht einfach ausgeräumt werden und eine Nichtbeachtung ist auch nicht möglich. Deshalb kann man versuchen den Einwand durch Nennen von Vorteilen oder positiven Aspekten des Angebots zu kompensieren.72 Dabei können auch bereits genannte Vorteile nochmals wiederholt werden, um diese dem Kunden einzuprägen.73 Die dissonante Information (Grund des Einwands) soll durch Nennen von konsonanten Informationen (Vorteile, die für das Produkt sprechen) geringer gewichtet werden. Die Kompensationsmethode ist also eine klassische Methode der Dissonanzreduktion.74

5.7. Umformulierungsmethode

Diese Technik eignet sich besonders gut für Einwände des Kunden, die in besonders scharfer Form oder mit besonders negativen Worten geäußert werden, denn der Verkäufer sollte bei der Beantwortung nicht nochmals diese negativen Worte in Verbindung mit dem Produkt nennen. Der Verkäufer wandelt deshalb die stark übertriebenen und oft emotionalen Behauptungen in eine sachliche Form um. Eine mögliche Raktion des Verkäufers könnte folgendermaßen aussehen:

Kunde: Solch lange Lieferzeiten können Sie den Kunden doch nicht zumuten! Das ist eine Frechheit, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Vom Satz 'Der Kunde ist König' haben Sie wohl noch nie was gehört.

Verkäufer: Mir ist klar was Sie meinen. Aber wir haben diese modifizierten Lieferzeiten nicht ohne Grund. Die Nachfrage nach unseren Produkten ist derart in die Höhe geschnellt, wie selbst wir - als Optimisten - es nicht vorhersehen konnten ...75

Man kann mit dieser Methode den Kundeneinwand aus einem anderen Blickwinkel darstellen. Wird dies in perfekter Weise getan, kann allein die Umformulierung den Einwand entkräften und den Kunden vom Produkt überzeugen. Das typische Beispiel ist die Sichtweise eines Glases Wasser, das zur Hälfte gefüllt ist. Der Pessimist nimmt ein halb leeres Glas wahr, der Optimist ein halb volles.76 In den meisten Fällen ist die Umformulierung aber nur der Ausgangspunkt der Einwandbehandlung durch den Verkäufer. Somit wird nicht direkt auf die scharfe Formulierung des Kunden geantwortet, sondern ein gemilderter Verbindungsteil zwischen Einwand und Beantwortung geschaltet, der die momentan negativen Empfindungen des Kunden mildern soll, um ihn für die sachliche Beantwortung zugänglich zu machen.

5.8. Einwandbündelungs-Methode

Man faßt hierbei mehrere Einwände des Kunden zusammen, um sie gemeinsam zu beantworten. Dies empfiehlt sich insbesondere, wenn der Kunde in einem Atemzug mehrere Einwände äußert. Dabei werden die negativen Empfindungen des Kunden zu jedem einzelnen Einwand abgeschwächt.77 Diese Methode läßt sich gut mit der Umformulierungsmethode verbinden. Der Verkäufer wiederholt die Einwände in komprimierter Form, meist in einer anderen Formulierung, damit der Kunde sich verstanden weiß. Erst danach geht der Verkäufer auf den nun komprimierten Einwand ein.

Kunde: Also Ihre Dachbahn erscheint mir weder sicher - noch ist sie besonders schnell zu verlegen. Das kostet alles Geld, viel Geld! Das sagt auch Ihr Wettbewerber!

Verkäufer: Sie meinen doch, Sicherheit und Schnelligkeit in der Verlegung der Dachbahn, haben bei Ihnen die oberste Priorität. Sehe ich das richtig?

Kunde: Äh, Schnelligkeit, Ja.

Verkäufer: Ich verstehe Sie nur zu gut, denn ich denke genauso wie Sie, Herr K. Und unser Produkt trägt Ihren berechtigten Forderungen voll Rechnung …78

6. Ausblick

Problematisch bei den in der Literatur beschriebenen Methoden der Einwandbehandlung ist, daß die Methoden oftmals nebeneinander dargestellt werden, ohne jegliche Verbindung. Verkäufern wird geraten, bei bestimmten Einwänden des Kunden genau eine bestimmte Methode anzuwenden. Ein solcher Ratschlag kann aber niemals die speziellen Bedingungen eines Verkaufsgeprächs berücksichtigen. “Die Bedingungen eines Verkaufsabschlusses sind in jedem Einzelfall so unterschiedlich, daß mit allgemeinen Verhaltensregeln allenfalls grundsätzliche Fehler vermieden werden können, keineswegs aber der Erfolg vorprogrammiert ist.“ 79 Wie aber schon in der Einleitung erwähnt, können gerade Einwände des Kunden den Erfolg des Verkaufsgesprächs in sehr starkem Maße beeinflussen. Der Verkäufer muß also mit einem anderen Selbstverständnis an Einwände herantreten, als bloß mit stupidem Anwenden zahlreicher Methoden der Einwandbehandlung. Peter Sauermann stellt dies im folgenden Zitat deutlich heraus.

Wie die Produkteigenart bestimmen aber auch die Persönlichkeit und Motivation des Verkäufers und noch viel mehr des Käufers die adäquate Verhaltens- und Argumentationsweise. Da es allgemeingültige Rezepte dafür nicht geben kann, besteht sinnvoll angewandte Psychologie in diesem Bereich darin, wesentliche Einflüsse aufzuzeigen, von denen im Einzelfall der Erfolg eines Verkaufsgesprächs abhängen kann. Ihre Relevanz in der vorliegenden Situation müßig; dann überprüft werden. Gewißheiten hat auch die Psychologie nicht anzubieten (und wenn doch, ist sie nicht wissenschaftlich!).80

Neben den bekannten Methoden der Einwandbehandlung, sollten Verkäufer auch Kenntnisse auf anderen Gebieten der Psychologie haben, um sich ein Gesamtbild des vor ihnen stehenden Kunden machen zu können. Dabei sind Kenntnisse auf dem Gebiet der ganzheitlichen Kommunikation außerordentlich wichtig. Um zu erkennen, wie der Einwand des Kunden zu werten ist, ist das Beachten der Körpersprache des Kunden von großer Bedeutung. Dabei sind beispielsweise Mimik, Pantomimik, Auftreten und Körperhaltung zu beachten und zu beurteilen. Dies kann nur einem Verkäufer gelingen, der auf diesem Bereich geschult und sensibilisiert ist.81

Wenn innerhalb einer solchen Arbeit überhaupt ein Ratschlag erteilt werden kann, dann am ehesten der Folgende, daß das starre Festhalten an verschiedensten Einwandbeantwortungstechniken für den Verkäufer keine großen Vorteile mit sich bringt:

Machen wir Schluß damit und agieren und reagieren wir normal, wie es für dialogfähige Verkäufer möglich ist. Bei jeder Aussage, jedem Argument unseres Partners überlegen wir ruhig, was er gemeint hat, fragen, wenn wir weitere Informationen brauchen, verbalisieren, wo es nötig ist und informieren oder argumentieren erst, wenn wir genau wissen, was er meint.82

Anhang

Abb. 5 Beispiel für Reaktanz in einer Zeitschriftenwerbung

Literaturverzeichnis

 

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